Das Ende des Anthropozentrismus: Anthropologie und by Streim, Gregor

By Streim, Gregor

In der deutschen Literatur und Philosophie der 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts begegnen immer wieder Bilder und Denkfiguren einer geschichtslosen Existenz. In Abkehr vom modernen Rationalismus versuchte guy, „den Menschen" als geistig, geschichtlich und natürlich unbestimmtes Wesen neu zu entwerfen. Die vorliegende Studie rekonstruiert erstmals diesen Diskurs. Sie eröffnet dabei neue Perspektiven auf die literatur- und denkgeschichtliche Entwicklung vom Ende der Weimarer Republik bis in die Anfangsjahre der Bundesrepublik und auf die Werke dieser Zeit.

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Hervorhebung im Text). Hieran schließt Heidegger dann erste Überlegungen zu einer existentiellen Haltung gegenüber der Geschichte an, welche die Geschichte als „»Wieder- Jenseits von Geschichte, Natur und Ratio 41 Fünf Jahre nach dem Erscheinen von Sein und Zeit entwarf Jaspers im Rahmen seiner dreibändigen Philosophie (1932) mit der ‚Existenzerhellung‘ ein der Heideggerschen Existenzialanalytik strukturell eng verwandtes Modell der Transzendierung der Geschichte, das zwar nicht die methodische und sprachliche Stringenz Heideggers aufwies, dafür aber leichter verständlich war und unmittelbarer auf die zeitgeschichtlichen Erfahrungen Bezug nahm.

S. 309. 61 Die Wissenssoziologie bleibt aber nicht bei der formalen Beschreibung von Funktionszusammenhängen stehen, sondern versucht diese zu transzendieren. Und sie kann dies als nicht-historische Wissenschaft nur durch die Annahme einer Tiefenstruktur tun: die einer Verankerung im ‚Sein‘. 62 An diesem Punkt spaltet sich die Wissenssoziologie in zwei Richtungen: in eine, die über Scheler zur Philosophischen Anthropologie, und in eine andere, die über Mannheim zur Ideologiekritik führt. Transzendierung ist Mannheim zufolge nur dann möglich, wenn das in seiner Totalität erfasste Denken in „ein Umfassenderes“, in die „unmittelbarste Realität“ – in seinen Augen das „Historisch-Soziale“ – eingeordnet und als „Ausdruck“ bzw.

74 Dieser Situationsbegriff hat einen verheißungsvollen Klang. Bezeichnet er doch die durch die Distanzierung von den primären Antrieben erreichte Erkenntnis der Zeitlichkeit der Bewusstseinsvorgänge. Im ‚Situationssehen‘ hat sich das Individuum bereits selbst aus seiner über die unmittelbaren Handlungsantriebe vermittelten Einbindung in die Situation gelöst und das Sein transzendiert. 75 Er tritt aus der historischen Zeit heraus und betrachtet sich und seine Zeit nun gewissermaßen von außen. In der Konzeption der Situationsanalyse als Mittel zur Lösung der Denk- und Lebenskrise weist Mannheims Ideologiekritik eine überraschende Nähe zu einer anderen therapeutisch orientierten Philosophie auf, die zur selben Zeit – Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre – entwickelt wird, sonst aber kaum mit ihr in Zusammenhang gebracht wird: mit Jaspers’ Philosophie der Existenzerhellung und Heideggers existenzialer Daseinsanalyse.

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